Bewaffnung und Panzerung eines Ritters von 1280 - 1320
Andreas Bichler, 2005

Ritter bildeten sowohl einen Berufsstand als auch eine Gesellschaftsschicht. Sie verkörperten Kern- und Oberschicht einer Armee und nur sie galten als Krieger. Nicht nur Edelleute des niedrigen Adels, sondern sogar Kaiser und Könige waren zugleich auch Ritter. Das Markenzeichen des Rittertums war das Schwert, das im Rahmen eines Rituals - der Schwertleite und dem Ritterschlag - empfangen wurde.

In der ersten Hälfte des 13. Jh. wandelte sich das äußere Erscheinungsbild eines Ritters dahingehend, dass neue Helmformen eingeführt wurden und über dem Ringpanzer trug man einen einfachen ärmellosen Waffenrock (mhd. wâpenroc). Da diese Helme den Kopf ihres Träger vollkommen umschlossen und deren Gesicht nicht mehr erkennbar war, wurde neben Fahnen und Bannern das Führen eines persönlichen Erkennungszeichens der Kämpfenden untereinander erforderlich. Farbige, auffallende und unterschiedlich gestaltete Zeichen wurden an weithin sichtbarer Stelle - dem Schild und in weiterer Folge auch am Waffenrock - angebracht. Das dargestellte steigende Einhorn - Symbol für Reinheit und Tapferkeit - verkörpert das Wappentier der Herren von Rundenstein.

Neben dem Schwert war die etwa 4m lange Lanze die zweite wichtige Trutzwaffe eines Ritters. Sie war jene Waffe, die beim ersten Angriff zur Anwendung gelangte.
Ringpanzer

Die primäre Panzerung eines Ritters des 13. Jh. bildete der Haubert, ein aus vielen tausenden, untereinander vernieteten Eisenringen bestehendes Panzerhemd mit angesetzten Kettenfäustlingen und einer ebenfalls angesetzten, bzw. gegen Ende des Jahrhunderts separat verwendeten Kettenkapuze. Das Gewicht einer derartigen Rüstung lag bei etwa 12 bis 14 kg. Der Ringpanzer bot zwar ausreichenden Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen aber schützte nur bedingt gegen Lanzenstöße und Hiebe mittels Schwert, Streitkolben, Axt oder Keule. Unter dem Panzerhemd wurde ein sogenannter Steppwams (mhd. wambis, frz. Gambeson oder Aketon) - ein mit Wolle/Filz oder Leinenlagen gepolstertes und abgestepptes, tunikaförmiges Kleidungsstück - getragen, um Schläge oder Hiebe entsprechend zu dämpfen. Zur Panzerung der Beine wurden eiserne Beinlinge (mhd. zwô îsenhosen) mit einem Gewicht von etwa 5 bis 6 kg verwendet, die in der Regel aus dem gleichen Ringgeflecht wie das Panzerhemd bestanden und das Bein völlig umschlossen.

Plattenrock

Durch die Erhöhung der Durchschlagskraft von Armbrust und Bogen bildete der um die Mitte des 13. Jh aufkommende Plattenrock ebenso eine rüstungstechnische Neuerung, wie die in der Minneepik bereits um 1240 gemeinsam mit dem Ritterdolch erwähnten gepolsterten Oberschenkelröhren (mhd. senftenier) zum Schutz der Oberschenkel. Kaum sichtbar unter dem Waffenrock oder anstelle dieses getragen, sorgt der Plattenrock über dem Panzerhemd für zusätzlichen Schutz. Dabei wurde eine Reihe von Eisenplatten an der Innenseite eines Leinen- oder Lederüberwurfes bzw. einer Kombination aus beidem genietet, sodass lediglich die Nietenköpfe an der Außenseite sichtbar waren. Neben dem Senftenier traten gegen 1250 zudem bereits vereinzelt Arm- bzw. Beinschienen aus gehärtetem Leder oder Eisen hinzu. Unter dem Topfhelm trägt der dargestellte Ritter bereits eine vom Panzerhemd getrennte und lediglich aus dem deutschen Raum bekannte Kettenhaube mit rechteckigem Brust- und Rückenlatz, eine Frühform der Beckenhaube und Ailettes. Als Sekundärbewaffung dient ein Dolch.

Detailansichten der Schutzausrüstung eines Ritters

Kettenfäustling

Die Fäustlinge sind fest mit dem Panzerhemd verbunden und besitzen lederne Handinnenflächen. An der Innenseite des Handgelenks befand sich ein Querschlitz, der ein Abstreifen des Fäustlings ermöglichte. Zum besseren Halt werden sie im Bereich der Handgelenke mit Lederriemen verschnürt.

Kettenkapuze

Die Kettenkapuze bzw. die dargestellte Kettenhaube besitzt den latzartigen, bis zur Nase reichenden Kinnschutz nicht mehr, der seitlich im Bereich der Schläfe fixiert werden konnte. Unter der Kettenhaube befindet sich eine eiserne Hirnhaube - den Vorgänger der Beckenhaube.

"Aufbinden" des Helms

Der Helm wurde vermutlich mit langen Lederriemen oder Seidenbändern am Kopf seinen Trägers festgebunden. Der Anprall einer Lanze konnte so stark sein, dass der Riemen sogar gesprengt wurde.

"Der Schenk von Limburg" aus dem "Codex Manesse"
Ailettes

Bei den Ailettes handelte es sich um meist rechteckige Schulterschutzplatten, die meist mit dem Wappen ihres Trägers versehen waren. Sie waren so befestigt, dass sie sich dachziegelartig an die Außenseite des Oberarmes anlehnten, um vom Topfhelm abgeleitete Hiebe abzufangen und von den Schultern abzuleiten. Ihre hauptsächliche Verbreitung fanden sie vorwiegend in Westeuropa. Im deutschsprachigen Raum sind sie nur im Rheinland, und Hessen Westfalen anzutreffen - die einzige Ausnahme bildet das Siegel König Johann des Blinden von Böhmen (+1346) der allerdings ein mit dem frz. Königshaus verschwägerter Luxemburger war.

Kettenbeinlinge (zwô îsenhosen)

Der angelegte, aus vernieteten Eisenringen bestehende, Kettenbeinling - die îsenhose - wurde an einem separaten Gurt - dem Lendenier - über der Bruche befestigt. Zur Gewichtsentlastung diente ein zusätzlicher Lederriemen unterhalb des Knies. Das Kettengeflecht war im Bereich der Verse geöffnet und mit Lederriemen verschnürt, um den Beinling besser anlegen zu können.

Wams (wambis)

Steppwams mit separatem Kragen (mhd. koller/ gollier) und Oberschenkelröhren. Als zusätzlicher Schutz des Oberschenkels werden gesteppte, gepolsterte Röhren dem Senftenier mit aufgenähten Kniekacheln aus Eisen, gehärtetem Leder oder Horn über die Beinlinge gezogen und ebenfalls an dem separaten Gurt befestigt.

Die Schnürung verläuft auf der Sohle des darunter liegenden Schuhs.
Kettenpanzer mit Wams und Senftenier

Unter dem Rock sind die einzelnen Schichten einer damaligen Rüstung deutlich erkennbar:

  • Die Primärpanzerung, bestehend aus einem geschlitzten, bis zu den Knien reichenden Panzerhemd mit angesetzten Kettenfäustlingen.
  • Der mit Wolle/Filz oder Leinenlagen gefütterte und abgesteppte Wams zum Schutz von Oberkörper, Armen und Oberschenkeln.
  • Der separate Kettenbeinling, das Senftenier mit Kniekachel samt Beinschiene (mhd. schinnelier) zum Schutz von Ober- und Unterschenkel.

Das Gewicht der gesamten Schutzausrüstung eines Ritters bestehend aus:

  • Wams
  • Kettenpanzer mit Fäustlingen und Kapuze
  • Kettenbeinlingen
  • Senftenier und Schinnelier
  • Plattenrock
  • Helm und Schild

dürfte etwa bei insgesamt 30kg gelegen haben.

Topfhelm um 1300

Topfhelm basierend auf dem Helm von Bozen (Südtirol) aus der Zeit um 1300. Der wiederum aus fünf Eisenplatten zusammengenietete Helm kann bereits als Weiterentwicklung des Topfhelmes von Dargen angesehen werden. Er weist zwar in der Höhe kaum Unterschiede zum Dargener Helm auf aber sein Durchmesser ist bereits erheblich größer und er besitzt einen ausgeprägten Mittelgrat über Stirn- und Gesichtsplatte. Anstelle der einfachen Atemlöcher besitzt er auf beiden Seiten der Gesichtsplatte jeweils 11 kreuzförmige Durchbrüche, bei welchen einmal der rechte bzw. linke Querbalken fehlt.

Topfhelm von Bozen

Frühe Beckenhaube

Diese frühe Beckenhaube entstand aus der Weiterentwicklung der einfachen Hirnhaube und wurde meist unter dem Topf- oder Kübelhelm als zusätzlicher Kopfschutz getragen. Im Gegensatz zu dieser weist der dargestellte Helm bereits einen Mittelgrat zur besseren Ableitung von Hieben auf.

Ringpanzerhemd

Ringpanzer mit abwechselnd vernieteten bzw gestanzten Ringen und angesetzter Kapuze. Die Kapuze besitzt zudem einen Kinnlatz (Ventaille, mhd vintale), welcher links oder rechts hochgebunden werden konnte. War dieser geöffnet, konnte man die Kapuze nach hinten abstreifen.

Plattenrock um 1250

Im Zusammenhang mit seiner Venusfahrt (1227) spricht Ulrich von Liechtenstein bereits von einem zusätzlichen Brustschutz in Form von "blaten". Der dargestellte Plattenrock entspricht eine Rekonstruktion nach dem Standbild des Hl. Maurizius - entstanden um 1250.

Standbild des Hl. Maurizius im Magdeburger Dom

Auf ein Trägermaterial aus mit Seide überzogenem Leder wurden an der Körperinnenseite Eisenplatten aufgenietet. Beim Anlegen werden die Plattenstreifen um den Brustkorb geführt und am Rücken mittels Schnallen verschlossen.

"Innenseite" mit aufgenieteten Eisenplatten

Literatur
Thordeman Bengt, Armour from the Battle of Wisby, Chivalry Bookshelf, 2001.

Dolch und Dolchmesser

Reproduktion eines Dolches sowie eines Dolchmessers nach Originalen aus Niederösterreich. Typologisch vergleichbare, zweischneidige Dolche mit trapezförmigem Klingenquerschnitt finden sich vornämlich in der Schweiz und datieren vom letzten Drittel des 13. Jh. bis in die erste Hälfte des 14. Jh..

Originale aus Privatbesitz (links der zweischneidige Dolch)

Die Knaufplatte sowie der Griff des Dolches wurden anhand von erhaltenen Schweizer Originalen ergänzt. Das einschneidige Dolchmesser ist den frühen Nierendolchen zuzuordnen. Der rekonstruierte Buchsbaumgriff basiert auf einem erhaltenen Original aus Konstanz.
Literatur
Schneider Hugo, Waffen im Schweizerischen Landesmuseum, Griffwaffen I, Orell Füssli Verlag, Zürich 1980.

Müller Ulrich, Holzfunde aus Freiburg und Konstanz, Herstellung und Funktion einer Materialgruppe aus dem späten Mittelalter, Landesdenkmalamt Baden Württemberg (Hrsg.), Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, Bd.21, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1996.

Streitkolben

Der Streitkolben zählte mitunter zur Sekundärbewaffnung eines Ritters. Basierend auf erhaltenen Stücken aus Gloggnitz (NÖ) entstanden die beiden Rekonstruktionen aus Bronze.

Detailansicht der Kolbenköpfe

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